Marie des Brebis - Christian Signol
Ich wäre jetzt nicht auf die Idee gekommen dieses Buch zu lesen. Im Untertitel steht geschrieben "der reiche Klang des einfachen Lebens". Da höre ich immer sofort die Stimmen meiner Mutter und Schwiegermutter, von wegen "früher haben wir das nicht gebraucht". Nörgelnd, ohne Verständnis, auch so anklagend und ein wenig schimpfend. Im Lesekreis wurde das Buch vorgeschlagen, da habe ich mich gerne darauf eingelassen.
Marie ist 1901 inmitten einer Schafsherde von Johnannes einem Schafhirten gefunden wurden. Sie wurde dort ausgesetzt und wuchs in der Einfachheit mit den Schafen auf. Es hätte schlimmer kommen können. Sie fühlt sich wohl, scheint schon als Kind in der Balance. Marie erzählt ihre Geschichte mit 83 Jahren dem Schriftsteller. Manchmal glaubt man ihre ruhige Stimme zu hören und ich kann mir vorstellen, wie sie da so sitzt, gedankenverloren in ihren Erinnerungen an das Hochland in Frankreich. Reine klare Luft, natürliche Ruhe, unterbrochen von den Stimmen ihrer Tiere. Freude über die "einfachen" Dinge. Feste an den Kirchentagen, geteiltes Essen mit den Nachbarn. Kinderspiele.
Marie findet und verliert. Sie findet ihre große Liebe, der sich auf dem Hof als Knecht verdingen muss. Zwei Weltkriege müssen sie zusammen durchhalten. Schmerz, Verlust, tiefe Liebe. Arbeit und Bescheidenheit, Harmonie und Toleranz. Die Kinder sind irgendwann fort. Der Mann stirbt. Sie erleidet einen Schlaganfall und muss irgendwannn doch zu ihrer Tochter in die Stadt ziehen.
Marie lernt ihren Rollstuhl in die Sonne zu schieben. Meine Bewunderung ist ihr sicher.