Stoner von John Williams
William Stoner wird 1891 als einziges Kind armer Farmer in Missouri geboren. Eine harte Zeit für alle. Die Eltern wollen, dass aus dem Jungen "etwas wird". Schon ungewöhnlich für die damalige Zeit, er soll nach nach seinem Highschoolabschluss die University of Missouri besuchen, um Landwirtschaft zu studieren und dann auf die Farm zurück kehren. Aus Zufall belegt er einen Kurs in englischer Literatur und hier begegnet er seiner lebenslangen Leidenschaft. Er kehrt nicht mehr auf die Farm zurück und wird Hochschulprofessor für Literatur. Welch ein Glück hat er mit seinen Eltern, die offen für seinen Berufswunsch sind und ihn unterstützen so weit sie können. Unproblematisch ist die Beziehung nicht. Stoner plagen Zeit lebens Gewissensbisse
William bleibt der Universität verbunden. Ist ruhig, in sich gekehrt ohne große Sozialkontakte. Mit knapp 30 heiratet er Edith. Das wird wird leider in Enttäuschung und Mißverständnissen enden. Edith hat wie er keine Ahnung von der Liebe, Sex, dem guten Leben. Wohlsituiert aufgewachsen, den gesellschaftlichen Ansprüchen unterworfen. Beide sind sie eng verstrickt in der Tristesse ihrer Elternhäuser. Edith entwickelt sich zur mißgünstigen Meckertrina. William lebt im Gleichmut. Eine kurze Phase eines leidenschaftlichen Glücks mit seiner jungen Doktorantin schlägt wegen mißgünstigen Kollegen fehl. Seiner Frau ist die Affäre egal, sofern sie nicht in die Öffentlichkeit gelangt und sie sich schämen muss.
William sind seine Studenten wichtig, er möchte sie für die Literatur begeistern. Er kämpft mit seinen Kollegen manche Schlacht. Bleibt doch ein Kauz mit Schwerhörigkeit. Er bekommt Krebs und glaubt, dass er in seinem Leben nicht viel erreicht hat. Finde ich jetzt nicht. Nach seiner Vita doch noch ein Assistenzprofessor und wenigstens eine kurze, aber doch glückliche Liebesbeziehung. Ist das nicht schon mehr als Andere hatten?
Problematisch ist auch die Beziehung zu seiner einzigen Tochter, so hat er sie zunächst groß gezogen, bis ihm Edith das Kind aus dem Nichts heraus einfach entzieht. Das liest sich sehr, sehr traurig und aussichtslos. Manchmal möchte ich ihn schütteln, dass er doch endlich mal aus sich heraus kommt, dass er das Glück packt und ausbricht aus seinen Fesseln - aber bis er soweit ist hat ihn die Doktorantin schon verlassen, seine Tochter ist ihm entfremdet, er wird alt und schwerhörig und an der Uni muss er damit leben, dass sein Lebenswerk nicht gewürdigt sondern mit bösen Nachreden in den Schmutz getreten wird. Kann man ja auch von lernen.
Bei mir ist der Funke des Buches nicht übergesprungen, obwohl es mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Ich war wütend, traurig, genervt, ungeduldig und auch anteilnehmend. Ist schon viel Gefühl für ein Buch. Geschrieben war es schön. So leise und bildhaft. So traurig und subtil. Also ja, lesen!I